Leidenschaft und Überzeugung VS Kritik

Juli 19, 2008 - Leave a Response

Heute habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man als Autor am besten mit Kritik umgehen sollte. Und es bleibt nicht aus, dass einem dabei auch Dinge einfallen, die andere Autoren (und Künstler aus anderen Sparten) zu diesem Thema von sich gegeben haben.

H.A.Mehler, beispielsweise, (Schriftsteller und Sachbuchautor), fasst sich dabei besonders kurz und sagt schlichtweg: “Profis ignorieren Kritik.”

Lars Ulrich, Schlagzeuger von “Metallica”, sagt: “Erfolg wird in Verkaufszahlen gemessen und nicht in guten oder negativen Kritiken.”

Errol Flynn, Hollywood-Legende, sagte einst: “They can call me a son of a bitch, as long as they spell my name right.” (”Sie können mich auch als Mistkerl beschimpfen, hauptsache sie buchstabieren dabei meinen Namen richtig.”)

Menschen, die erfolgreich sind, orientieren sich an diesen Gedankengängen. Denn man muss verstehen, dass diese beiden Methoden die einzig praktikablen sind, die einen Sinn und Wert haben.

Erst kürzlich ist ein befreundeter Künstler wieder in die “Kritik”-Falle getappt, indem er sich über manches was irgendwann, irgendwo im Internet von irgendwem geschrieben wurde, geärgert hatte, da er es weder als konstruktive, positive oder negative Kritik betrachten konnte, sondern als völlig ungerechtfertigte Meinungsmache. Es gibt eben leider Rezensenten/Kritiker, die von Vorurteilen oder sonstigen Voreingenommenheiten völlig in Beschlag genommen sind.

Um Beispiele aus der Praxis zu geben, die ein besseres Verständnis des Sachverhalts für den Leser ermöglichen:

Bei Label A erscheint eine Hörspielproduktion. Kurz darauf gibt es von Rezensenten, die kostenlose Muster vorab erhalten, Kritiken bzw. “Rezensionen”. Und dann wird sofort (von einzelnen Rezensenten) mit der groben Kelle ausgeteilt, denn Label A steht bei diesem blitzgescheiten Beispiel-Rezensenten auf der “schwarzen Liste”, (aus persönlichen Motiven). Die Rezension würde sich in diesem Fall wie folgt lesen:

“Die Schauspieler sprechen Namen unterschiedlich aus, die Musiken aus der “Konserve” hätte man alle schon Tausend Mal gehört, die Abmischung sei hier und da nicht perfekt, das Skript hätte logische, inhaltliche Fehler, etc. etc.

Fazit der Rezension: Es gäbe noch eine ganze Menge mehr zu verbessern, aber Label A (auf deutsch: diese Stümper) würden diese “typischen Fehler” wohl eh nie in den Griff bekommen.”

Bei Label B erscheint ebenfalls eine neue Hörspielproduktion. Label B verwendet exakt dieselbe Musik aus der “Konserve”, die schon bei Produktionen von Label A zu hören war. Label B beschäftigt exakt dieselben namhaften Schauspieler, die ebenfalls wieder (was sich bei solchen Produktionen nicht vermeiden lässt) Namen der Charaktere unterschiedlich oder gar ganz “falsch” aussprechen. Label B wird ebenfalls von Menschen betrieben, die bei der Abmischung hier und da Patzer hinlegen, deren Skripte inhaltliche und logische Fehler, Widersprüche aufweisen.

Doch – (Achtung! Und das macht den Unterschied!) – Label B steht aus persönlichen Motiven bei unserem selbsternannten Captain aller Rezensenten gaaanz hoch im Kurs.

Diese Rezension liest sich dann wie folgt: “Die Schauspieler liefern eine Glanzleistung ab. Die Musik untermalt die Atmosphäre stimmig und klingt total frisch, endlich mal andere Klänge als die “Konservenmusik” anderer Label. Die Abmischung ist perfekt. Die Story überzeugt durch … blablablabla …

Fazit der Resension: Nahezu perfekt! Hier, bei diesem Label (auf deutsch: diese Titanen und Götter) könnte man schon blind die nächsten Produktionen vorbestellen und die anderen Label, (vor allen Dingen Label A), könnte sich hier mal ein Beispiel nehmen!”

Besonders geärgert hatte sich mein Kollege darüber, dass eine Produktion von ihm, die bereits angekündigt worden ist, schon im Vorfeld – ohne jegliche fundierte Überprüfung – zerrissen bzw. miesgemacht wurde, nach dem Motto: “Ich freue mich, dass Story XY endlich mal als Hörspiel produziert wird, aber was scheiße ist – es kommt von Label A und Autor XY, und nicht von den Titanen/Superhelden von Label B …”

Ich habe meinem befreundeten Kollegen folgendes geraten: Diesem unqualifizierten Gesülze ebenso unqualifizierter Meinungspäpste auch nur den Funken von Beachtung zu schenken, ist akut verschwendete Lebenszeit. Denn die Meinung einzelner Forenkapitäne oder “Autoritäten”, wie sie sich gerne bezeichnen, sagt keinen Deut über die Qualität deiner Arbeit aus. Wenn du wissen wilst, ob sie zumindest erfolgreich ist, schau dir die Verkaufszahlen an. Denn dabei stellt man ganz schnell fest: Diese stehen einzelnen Negativmeinungen diametral entgegengesetzt gegenüber!

Dasselbe lässt sich auch bei Onlineportalen wie “amazon” beobachten: Ein Buch wie “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche kommt auf den Markt. Bald wird die Amazonseite von Rezensionen überflutet. Fast ausschließlich von negativen. Na und? Trotzdem verkauft sie innerhalb kürzester Zeit 600.000 Exemplare ihres Buches. (Mittlerweile dürften es eher mehr sein…) Charlottes Lesungen sind ausverkauft. Die Menschen lieben ihr Buch, lesen es, kaufen es, verschenken und empfehlen es. – Sollte man jetzt Charlotte Roche trotzdem nahelegen, sich REZENSIONEN in Zeitungen oder Onlineportalen durchzulesen? “Du, der Redakteur XY hat aber geschrieben, dass …” – “Du, da hat einer so ‘ne kleine unwichtige Internetseite eingerichtet, der fand das Buch von dieser anderen Autorin aber viel besser …” – “Du, Frau Michaela Schmidt-Schulze, 58, Hausfrau aus Bad Homburg, fand dein Buch total Scheiße und hat einen Verriss auf Amazon gepostet …”

Wie lächerlich wäre das denn?

Aber noch etwas Anderes stellen wir fest: Die Vielzahl an Leuten, die sich eine CD, DVD, ein Buch, whatever, kaufen und davon begeistert sind, melden sich in diesen Foren und Portalen NICHT zu Wort. (Ein minimaler Prozentsatz vielleicht.)

Und DAS gilt es immer im Hinterkopf zu behalten, nämlich dieses alte Sprichwort:

“Den Besten fehlt’s an Überzeugung, die Bösen haben Leidenschaft im Übermaß.”

Das ist zwar traurig, aber leider eine Wahrheit. Jemand, der von etwas begeistert ist, wird es vielleicht im Freundeskreis weitererzählen und -empfehlen. Aber er wird sich kaum die Mühe machen, um seine Meinung öffentlich in Wort oder Schrift zu äußern. Das erledigen dann schon die anderen.

Und daher kann man getrost darauf verzichten, seine Zeit und Aufmerksamkeit mit den persönlichen, voreingenommenen Meinungen und Ansichten einzelner Personen zu verschwenden. Völlig unnütz. Sarah Kuttner sagte es unlängst: “Internetforen sind das reinste Gift.”

Was ist denn dein Ziel und deine Aufgabe?, habe ich meinen Kollegen gefragt. Es Herrn XY und Frau YZ recht zu machen? — Oder neue spannende Geschichten zu schreiben, die Tausende anderer Menschen begeistern? Tausende, die sich (leider) nicht zu Wort melden, aber eben auf andere Art FÜR dich und deinen Erfolg sprechen? Schau auf deine Verkaufszahlen. Wenn du und deine Arbeit wirklich so übel wären, weshalb kriegst du dann laufend neue Aufträge von deinem Verlag? Glaubst du denn, die Profis aus dem Verlagswesen, mit jahrzehntelanger Berufserfahrung und Sachverstand, hätten WENIGER Ahnung, als EIN Hobbymeckerkopf, der sein Gift und seinen Frust im Internet versprüht?

Weshalb kaufen die Leute deine Geschichten denn, wenn die alle so schlecht wären, wie XY behauptet? Wer ist das überhaupt? Weshalb seine Einzelmeinung über die Meinung Tausender anderer, glücklicher und zufriedener Kunden, Leser, Hörer, Zuschauer stellen? Vielleicht hatte er gerade an dem Tag einen schlechten Tag, als er die Rezi geschrieben hat. Vielleicht hat er am nächsten Tag gedacht: “Ach, eigentlich war ich etwas streng, sooo schlecht ist die Geschichte gar nicht …”

Nein, nein. Von derartigen Meinungen Einzelner darf man sich niemals beeinflussen oder gar abhängig machen lassen. Ignorier deren Geschreibsel einfach. (Sieh es mal anders herum, von der positiven Warte: SIE schreiben über DICH. SIE schenken DIR und DEINER Arbeit Aufmerksamkeit. Es ist niemals anders herum!)

Und wenn dir mal einer dieser Leute persönlich über den Weg läuft und dir an den Kopf schmeißt: “Hey, dein letztes Buch, deine letzte CD, dein letztes Konzert (etc.) war total scheiße! Gefiel mir überhaupt nicht!” – dann wirst du ihn freundlich anlächeln und sagen: “Ich bin immer darum bemüht, mein Publikum gut zu unterhalten / meine Kunden zufriedenzustellen und strebe jeden Tag danach, meine eigene Leistung / meinen Service zu verbessern. Aber darf ich Ihnen vielleicht die hochwertigen Produkte / Dienstleistungen meiner Kollegen empfehlen? Sicher finden Sie darunter etwas, das Ihren persönlichen Vorstellungen eher entspricht.”

Streite mit niemandem! Verzichte auf Rechthaberei!
Du kannst Tausend Mal im Recht sein oder deinen Standpunkt notfalls auch mit Gewalt verteidigen. Aber du wirst dabei NICHTS gewinnen können, nichts Vorteilhaftes daraus ziehen.

Wenn Herr XY felsenfest der Überzeugung ist, dass Tansania die Hauptstadt von Mailand ist und der schiefe Turm von Pisa das Wahrzeichen von Moskau, dann wirst du höflich nicken und sagen: “Selbstverständlich. Sie interessieren sich sehr für Geographie, entnehme ich dem?” Daraus mag vielleicht sogar ein anregendes Gespräch entstehen, vorausgesetzt du schenkst deinem Gegenüber Aufmerksamkeit und hörst ihm interessiert zu!

Knallst du ihm aber sofort vor den Kopf, am besten noch in Anwesenheit anderer Leute, womöglich vor seinen Freunden, seiner Frau, etc.: “Du bist ja ein stumpfsinniger Ignorant! Jedes Kind weiß schließlich, dass Mailand kein Land ist, sondern eine Stadt und …. !”, dann muss man kein ausgebildeter Psychologe sein, um zu wissen, dass der andere einen ab sofort als Feind betrachten wird, der einen schwer gekränkt und beleidigt hat. Denn er hat soeben vor dir und anderen sein Gesicht verloren. – Ein Gespräch wird somit kaum mehr möglich sein.

Und selbst wenn er seinen Irrtum einsieht, wird er dir gegenüber auf seiner Ansicht beharren, nur um dir NICHT (womöglich noch vor anderen Leuten) Recht geben zu müssen, da er es als persönliche Schmach und Niederlage betrachten würde. Denn das würde ja bedeuten zu sagen: “Stimmt, ich bin wohl ein stumpfsinniger Ignorant …”

Und welcher Mensch würde das schon gern über sich selbst sagen wollen? Wer möchte sein Gesicht verlieren?

Eben.

Arbeite also gelassen weiter. Nimm dir Einzelmeinungen von Menschen, die mit deiner Arbeit gar nichts zu tun haben, nicht zu Herzen. Vermeide einen Schlagabtausch und überzeuge einfach durch die Qualität deiner Leistungen. Wenn nötig, schreibe den Herrschaften Rezensenten einen netten Brief, erwähne lobend ihren großen Sachverstand, ihre jahrelange Erfahrung und weise dezent daraufhin, dass du nicht “Karsten”, sondern “Carsten” geschrieben wirst. Oder nicht “Markus”, sondern “Marcus”, wie auch immer. – Entwickle und behalte deine Leidenschaft und Überzeugung für deine Arbeit, ohne dabei aber in die negativen Verhaltensweisen der “Masse” zu verfallen. Und ohne die überflüssige Mühe auf dich zu nehmen, anderen deine Ansichten aufdrängen zu wollen. Vergebene Liebesmüh. Viel Lärm um Nichts. Shakespeare hat’s schon damals gewusst.

In diesem Sinne.

Viel Erfolg weiterhin wünscht
Ascan von Bargen